Nostalgiebetten – Bett 1

Keimzelle meines Wohlfühlfaktors

Ich habe ein Exemplar von „Mein Leben in Häusern“ bekommen und es fürs Buch-Magazin rezensiert (erscheint im November). Ich stehe auf Nostalgie, sie darf ruhig triefen und mich zum Weinen bringen. Margaret Forster hat mich nicht be- oder gerührt, das fand ich schade, denn das Buch ist an sich wirklich schön. Vielleicht liegt es aber auch an mir und ich bin einfach besonders emotional, was die Bleiben meiner Vergangenheit angeht.

Buch im Bett

„Mein Leben in Häusern“ von Margaret Forster

Ich habe mich bereits über das Thema „Heimat“ ausgelassen, meine Zeit in Frankreich analysiert und von meinem jetzigen Wohnort geschwärmt.

Ich habe sogar darüber philosophiert, warum ich lieber umziehe als reise.

Allein über meine Unterkünfte habe ich noch nicht genug gesagt. Anfangs waren es Zimmer, eines Tages Wohnungen und inzwischen ist es ein Haus. Der ausschlaggebende Ort meiner Bleibe ist aber das Bett. Und nein, ich rede hier nicht von der Qualität der zwischenmenschlichen Aventüren, die mein Bett bereicherten oder auch nicht. Ich rede davon, wie es ist, im Bett zu liegen und es gemütlich zu finden.

Das Bett als Keimzelle meines Wohlfühlfaktors. Ich liebe mein Bett. Ich könnte da immer sein. Und lesen.

Manchmal kann ich nicht schlafen, manchmal will ich auch einfach noch nicht schlafen. Um wirr umherkreisende Gedanken einzufangen, konzentriere ich mich auf die Betten, in denen ich einst meine Nächte verbrachte. Ich schließe die Augen und stelle mir vor, ich läge in einem früheren Bett. Wenn ich besonders viele wuselige Gedanken habe, gehe ich alle Betten meiner Vergangenheit in chronologischer Reihenfolge durch.

Es sind viele Betten. Und damit meine ich nur die in meinen ehemaligen Wohnstätten. Wenn ich mich besonders intensiv ablenken möchte, gehe ich alle anderen Betten durch. Damit meine ich gar nicht unbedingt nur die ausgelagerten Austragungsorte sexueller Aktivitäten, sondern vielmehr auch das Bett bei meiner Großmutter, die Liege, auf der ich bei meiner besten Freundin nächtigte, überhaupt – Besuchsbetten.

Ich stelle mir vor, wie es sich anfühlte, in diesem Bett zu liegen. Wie fühlte sich die Matratze an, gab es einen Luftzug – und von wo kam er? Was befand sich neben mir, wo war die Wand? In welcher Richtung lag der Rest vom Zimmer? Je genauer ich mir die Details ins Gedächtnis rufe, desto intensiver merke ich, wie es mir damals ging, was mich beschäftigte, wie ich mich fühlte. Damals, als ich jeden Abend in jenes Bett ging.

Aber von vorn.

Unten im Etagenbett

Bett 1 – natürlich ist das nicht mein allererstes Bett. Es ist das erste, an das ich mich erinnere. Eine Zeitlang schliefen mein Bruder und ich in Stapelbetten, das sind ganz flache Betten, die man – so man denn will und wie der Name schon sagt – übereinanderstellen kann, wenn man eins mal nicht braucht. Aus diesen Betten baute unser Vater ein Etagenbett.

Ich hatte die untere Schlafstatt und mit Glück hatte ich die dunkelgrün karierte Bettwäsche in Benutzung (das ist nicht die auf dem Bild), die immer so schön kühl war. Am Rand entlang lagen diverse Kuscheltiere, am Kopfende ein grünes Kissen mit Gesicht und rotkarierten Schlappohren und Kügelchenfüllung. Am Fußende stand die Goldkiste – ein Mucki-Eiskarton mit silberner Beschichtung zur Aufbewahrung persönlicher Schätze. Die Wand neben dem Bett war mit Holz verkleidet, denn wir befanden uns in den 1970er-Jahren und da war schließlich so viel wie möglich mit Holz verkleidet.

Etagenbett im Kinderzimmer

Gemütlich und mit Adventskalendersäckchen

Unser Kinderzimmer war riesig, hatte einen halbrunden Erker und mutmaßlich Stuck an der Decke. Das große Fenster zum Garten war doppelt verglast und eines Tages entdeckten wir Bakterien im Zwischenraum. Oder das, was wir dafür hielten. Es waren wohl Fliegeneier, damit war unsere Einschätzung ja nicht weit von der Realität entfernt. Es gab im Zimmer eine Malwand, das war irgendeine weiße Platte, auf der man mit Buntstiften malen konnte. Unser Schrank war erst mattrot, dann gelb-weiß gestreift. Später sollte er als weißer Schrank im Carport stehen und schlussendlich – nach Öl müffelnd – in meiner Berliner Wohnung stranden.

Wenn ich auf dem Rücken im Bett lag, konnte ich durch den Rolllattenrost die Schaumstoffmatratze meines Bruders sehen. Sie hatte einen dunkelbraunen Bezug mit orangenen und gelben Blümchen (sehr ähnlich übrigens wie die Tapete in dem kleinen Badezimmer, nur, dass da noch weiße Blümchen und grüne Blättchen drauf waren).

Ich trug damals Frottee-Schlafanzüge und nuckelte am Daumen. Wenn ich an dieses erste Bett denke, spüre ich die etwas steife Schafwolldecke auf meinem Rücken, denn ich lag auf dem Bauch, meinen Kopf auf die verschränkten Arme gelegt. Und ja, dabei kann man nuckeln. Wenn ich daran denke, sehe ich meine eigenen Kinder vor mir, wie sie schlafen. Niemand sieht so gemütlich aus wie ein schlafendes Kind. Das mag der Grund sein, warum ich dieses Bett als besonders gemütlich in Erinnerung habe.

Wenn ich mich in dieses Bett träume, kommt mir die Kindheit in all ihrer Schönheit entgegen. Der riesige Garten, die Billewiesen und der Wald in Sichtweite vom Kinderzimmerfenster. Ich erinnere mich an den Geruch der Kopkis, der mit Dachpappe beschlagenen Holzkisten. In der großen lagerten Gartengeräte, in der kleinen Sandspielzeuge und Kindergartengeräte. Sie standen am Rhododendron, der so riesig war, dass man innen auf ihm rumklettern konnte.

Ich drifte ab zum Kindergarten, zu meinen Freunden … aber nein, ich wollte ja ans Bett denken. Abends nach einem aufregenden Tag ins Bett gehen. Jeden Abend. Denn damals waren die Tage immer aufregend.

Und Ihr? Wie sieht Eure Erinnerung an Euer Bett im Kinderzimmer aus?

 

4 Kommentare
  1. Paula sagte:

    Mein erstes Bett war ein elfenbeinfarbenes Gitterbett mit Kokosgrasmatratze und dickem Federbett, das in einem großen ungeheizten Schlafzimmer mit nacktem Holzfußboden in der ersten Etage meines Elternhauses neben dem Gitterbett meines kleinen Bruders stand. Vor dem Einschlafen machten wir immer noch ein bisschen Quatsch, mit viel Gekicher, da mein Bruder noch nicht richtig sprechen konnte. Dieses Zimmer war nur zum Schlafen gedacht, einen Ofen oder einen Heizkörper hatte es nicht. Ein Kinderzimmer war das nicht, das hielt man damals Anfang der sechziger Jahre auf dem Land nicht für nötig. Wir spielten unten in der ofengeheizten „Stube“ auf dem Teppichboden mit ein paar Bauklötzen und einem Teddy. Im Winter. Im Sommer spielten wir im großen Garten draußen. Das einzige Kinderbuch, das ich besaß war der „Struwwelpeter“, von dem ich nachts Alpträume bekam. Tja so war das damals.

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